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  • AutorenbildEmily Paersch

Nachlese: Altbausanierung, aber richtig

Aktualisiert: 16. Juni



Das Interesse am mittlerweile 7. Vortrag unserer Reihe Impulsvorträge am Balaton war groß. Nicht verwunderlich, denn die meisten Auswanderer der deutschsprachigen Gemeinde haben eine bereits bestehende Immobilie in Ungarn erworben. Die ungarische Bausubstanz weist typische Schwachstellen auf. Wie man diesen fachgerecht begegnet, war Thema des Vortrags von Uwe Krause, Architekt und Sachverständiger.


Erster wichtiger Tipp des Fachmanns, der in dem meisten Fällen vergessen wird: Eine Sanierungsmaßnahme sollte im Vorfeld zur eigentlichen Baumaßnahme nach folgenden Punkten erfolgen: Klärung der Baualtersklasse des jeweiligen Gebäudes, Bestandsaufnahme der Gebäudesubstanz. Bei aneinander gebauten Gebäuden (z.B. Doppelhaus) und konstruktiven Eingriffen in ein Gebäude ist ggf. ein Beweissicherungsverfahren am nicht von der Maßnahme betroffenen Gebäude durchzuführen. Eine genaue Planung der Sanierungsmaßnahme sowie eine genaue Auswahl der zu verwendenden Baustoffe in Abhängigkeit von den vorhandenen baulichen Gegebenheiten ist ebenso unerlässlich, um ein nachhaltiges Ergebnis zu erzielen.


Zu den häufigsten Schäden insbesondere bei älteren Gebäuden in den Siedlungen des ländlichen Raums zählen Durchfeuchtungen im Sockelbereich.  Hier sind in der Regel mehrere Ursachen für einen Schaden, häufig auch im Zusammenspiel, anzutreffen: Fehlende Abdichtung gegen aufsteigende Feuchtigkeit, fehlende äußere Sockelabdichtung, fehlende Innenabdichtung, geringe Dachüberstände tlw. ohne Dachrinnen, Kontergefälle der Geländeoberfläche zum Gebäude hin.


Welche Sanierungsmaßnahmen können durchgeführt werden ? Injektionstechnik zur nachträglichen Herstellung einer Horizontalsperre (Druckverpressung) wie z.B. mittels der Cremetechnologie z.B. mit Kiesol C von Remmers sowie eine äußere Sockelabdichtung mit einer PMMA Abdichtung z.B. von Triflex basierend auf einem Abdichtungsharz


Hinweis des Profis: Bei allen Abdichtungen sind zwingend die Verarbeitungsrichtlinien zu beachten, um Folgeschäden zu vermeiden.



Richtige Dämmung


Ein weiterer Punkt seines Vortrags bezog sich auf die energetische Ertüchtigung von Dächern und Fassaden, wobei hier zwischen fünf Bereichen unterschieden wird:  Dachdämmung im Bereich von Steildächern, Dämmung der obersten Geschossdecke, Kellerdeckendämmung, Fassadendämmung und Innenwanddämmung an Außenwänden. Eine nachträgliche Dämmung der Dachschrägen mit Mineral- oder Steinwolle ist bauphysikalisch erste dann sinnvoll, wenn der Dachraum zu Wohnzwecken ausgebaut, beheizt und belüftet wird. Vorsicht: Die Dämmung eines Steildaches, welches nicht beheizt und belüftet werden kann, fördert akut die Bildung von Schimmel an der tragenden Dachkonstruktion und sollte somit aktiv vermieden werden.



Dämmung der Geschossdecke


Grundsätzlich ist eine Dämmung der obersten Geschossdecke immer dann sinnvoll, wenn der darüber liegende Dachraum ein kalter und ungedämmter Bereich ist. Zum Einbau eignen sich diverse Dämmstoffe wie z.B. Mineral- oder Steinwolle oder auch eine Zellulosedämmung als Einblasdämmung. Unter jeder Art von Dämmung ist zwingend eine flächige Dampfsperre zu verlegen.





Kellerdeckendämmung


Eine Dämmung der Unterseite einer Kellerdecke ist energetisch immer dann sinnvoll, wenn im Keller reine Nutzräume vorhanden sind, welche nicht beheizt werden. Zur Verwendung kommen in der Regel vlieskaschierte Mineralfaserdämmstoffe. Eventuelle Wärmebrücken, die z.B. durch Rohr- oder Elektroleitungen entstehen, werden über einen Minderungsfaktor in der Wärmebedarfsberechnung berücksichtigt.



Fassadendämmung


Die nachträgliche Dämmung einer Fassade, gerade bei den in der Regel einschaligen Wandkonstruktionen hier in Ungarn, ist immer sinnvoll. Einhergehend damit sollte jedoch immer überlegt werden, inwieweit ggf. alte Fenster mit erneuert werden sollten. Nur dann wird das System energetisch geschlossen und bildet eine einheitliche und effiziente energetische Lösung. Fassadendämmungen können mit unterschiedlichen Arten von Dämmstoffen wie z.B. Polystyrol oder Mineralfaser ausgeführt werde. Wichtig ist hierbei, dass alle Komponenten eines Fassadensystems aufeinanderabgestimmt sind und den Verarbeitungsrichtlinien des jeweiligen Herstellers entsprechen.



Innenwanddämmung


Bauphysikalisch ein absolut heikles Thema. Grundsätzlich sollte die Dämmung einer Außenwand von innen vermieden werden. Warum ? Der Taupunkt in der Wand würde sich auf die innere Wandoberfläche verschieben und eine akute Schimmelgefahr bilden. Einzige Ausnahme sind hier Calciumsilikatplatten, da diese feuchteregulierend wirken. Silikatplatten müssen in der Oberfläche zwingend mit einer Silikatfarbe behandelt werden. Auch bei Renovierungsarbeiten sind ausschließlich Silikatfarben zu verwenden.



Bauen mit OSB (Oriented Strand Board)


OSB-Platten sind ein hochwertiger Holzwerkstoff, der aufgrund seiner hervorragenden Materialeigenschaften vielseitig eingesetzt werden kann und mittlerweile die klassische Spanplatte im Baubereich abgelöst hat. Die Platte besteht aus mehreren Schichten ausgerichteter Holzspäne, die miteinander verleimt sind. OSB überzeugt mit hervorragenden Produkteigenschaften: Hohe Biegefestigkeit, hohe Tragfähigkeit, geringes Eigengewicht, 100% formaldehydfrei verleimt und auch als Dampfbremsei m Trockenbau verwendbar.


Die unterschiedlichen Arten von OSB Platten unterscheiden sich im wesentlichen in Qualität, Größe und Stärke. Der Markt bietet Platten in den Stärken von 9– 40 mm an. Die OSB Platte kann als Dach- und Wandbeplankung, als tragende und aussteifende Schalung auf Holzbalkendecken oder auch als Fußbodenschalung verwendet werden. Ab einer Materialstärke von 30 mm leisten die OSB Platten auch einen Brandwiderstand von F 30. Hinweis: Vor dem Einbau ist eine Lagerung der Platten für 24 Std. am Einbauort zu gewährleisten. OSB Platten (z.B. von Swiss Krono) haben einen Identifikationsaufdruck (1-seitig), der bei der Montage nach oben oder unten ausgerichtet sein muss (Raumseite), um die Platte später identifizieren zu können.



Gebäudeenergieausweis


Seit Januar 2009 gilt auch in Ungarn das verpflichtende EU-Recht für die Ausstellung von Energieausweisen für neue und öffentliche Gebäude. Private Bestandsgebäude hatten bisher bis Ende 2011 nur einer freiwilligen Ausstellung unterlegen. Seit Anfang 2012 ist der Energieausweis jedoch für alle Gebäude und Wohnungen, die veräußert werden sollen für den Verkäufer verpflichtend. Ausgenommen hiervon sind freistehende Wohngebäude mit einer Nutzfläche unter 50 qm, Gebäude, die jährlich weniger als 4 Monate genutzt werden sowie nicht winterfest gemachte und nur im Sommer bewohnte Ferienhäuser und Gebäude ,die für eine Nutzungsdauer von höchstens 2 Jahren geplant wurden. Auch Gebäude, die unter Denkmalschutz stehen, landwirtschaftlich genutzte Gebäude und Werkstattgebäude sind von dieser Regelung ausgenommen.


Grundsätzlich kommen zwei Arten von Energieausweisen zur Anwendung: der Bedarfsausweis und der Verbrauchsausweis. Der Bedarfsausweis betrifft vorrangig den Neubau und wird, einfach beschrieben, auf Basis der verwendeten Baustoffe/Bauteile und ihrer diesbezüglichen Wärmedurchgangswerte in der Summe ermittelt.


Der Verbrauchsausweis wird anhand der tatsächlichen energetischen Verbräuche der letzten Jahre ermittelt. Hinweis: Beide Berechnungswerte sind erstmal rein theoretisch und dienen lediglich einer Orientierung für den Käufer der Immobilie. Die tatsächlichen energetischen Verbrauchswerte sind immer nutzerabhängig und können stark vom Energieausweis abweichen.


Die Klassifizierung der Immobilie erfolgt grundsätzlich auf einer Skala von A+ bis I, wobei der Wert F jedoch i.M. den Bestandsgebäuden in Ungarn entspricht. Die hängt u.a. mit den Baualtersklassen der Gebäude in Ungarn zusammen.


Jeder Energieausweis in Ungarn beinhaltet einen gebäudebezogenen Zertifizierungs-Code, der bei einem Verkauf einer Immobilie mit in den Kaufvertrag aufgenommen werden muss. Die dient der Zuordnung zum entsprechenden Kaufobjekt.


Hinweis: Das Fehlen des Energieausweises ist jedoch kein Hindernis für die Eintragung des Käufers in das Grundbuch Der Energieausweis gibt dem neuen Eigentümer auch nützliche Ratschläge zur Energieeinsparung und zugleich weist er auf eventuelle energetische Schwachpunkte der Immobilie hin. Die Kosten für einen Energieausweiszu diesem Thema findet man unter: energieausweisungarn-veszprem.webnote.hu



 

Sanierungsexperte Uwe Krause (m.) mit den Gastgebern Emily und Andreas Paersch
Sanierungsexperte Uwe Krause (m.) mit den Gastgebern Emily und Andreas Paersch

Über den Veranstalter:


Diese Veranstaltung wurde von Paersch Services Kft. im Rahmen der Reihe „Impulsvorträge am Balaton“ organisiert. Weitere Termine finden Sie >> hier.

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